Im Unterricht behandle ich mit den Fünftklässlern oft zentrale Gebete verschiedener Religionen. Dabei fasziniert mich besonders das wichtigste Gebet im Judentum: das Schma Israel: „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft“ (5. Mose 6,4–5).
Spannend finde ich, dass Jesus dieses Gebet später als das größte Gebot bezeichnet (Markus 12,30). Gott zu lieben – mit Herz, Seele, Kraft und Verstand. Mit allem, was wir sind. Und genau so hat er uns geschaffen: als Menschen, die unterschiedlich gewichtet sind. Manche sind Redner. Andere Fühler. Wieder andere Denker. Und dann gibt es die Macher.
Alle sind wichtig. Wir brauchen Menschen, die sprechen. Menschen, die fühlen. Menschen, die denken. Und Menschen, die handeln. Ohne Macher würden Projekte liegen bleiben, Gemeinden stehen bleiben und Ideen verpuffen. Macher bringen Dinge voran. Sie bewegen etwas. Sie verändern etwas.
Ich bin oft selbst so ein Macher – und kenne die Stärke, aber auch die Schattenseite: Wir laufen Gefahr auszubrennen. Wir übersehen unsere eigenen Grenzen. Und wir neigen dazu, zu glauben: „Wenn ich es nicht mache, macht’s keiner.“
Deshalb trifft mich ein Vers immer wieder tief: „Ihr steht früh auf und geht spät schlafen und rackert euch ab fürs tägliche Brot – doch ohne Gottes Segen ist alles umsonst. Denen, die er liebt, gibt Gott alles Nötige im Schlaf“ (Psalm 127,2).
Wir Macher halten selten inne. Wir fühlen wenig rein, wir denken wenig nach. Wir funktionieren einfach. Und wenn wir ehrlich sind, steckt hinter unserem Machen manchmal weniger Hingabe als vielmehr Druck. Das Gefühl, etwas beweisen zu müssen.
Ich kenne das gut. Einer meiner internen Antreiber ist der Satz aus Sprüche 6,6: „Beobachte die Ameise, du Faulpelz! Nimm dir ein Beispiel an ihnen, damit du endlich klug wirst“ Ich habe so oft gedacht: Wenn du gläubig bist, dann musst du doch etwas schaffen.
Doch dann kommen diese Phasen, in denen ich spüre: Ich arbeite für Gott – aber nicht mehr mit ihm. Ich tue viel, aber höre wenig. Ich renne, aber ich frage nicht mehr nach Richtung. Und manches Mal hat das sogar damit zu tun, dass ich innerlich denke, ich müsse die dummen Dinge, die ich in meiner Vergangenheit getan habe, irgendwie „wegarbeiten“.
Aber die Wahrheit ist eine andere. Sie ist befreiend und glasklar: „Wenn jemand zu Christus gehört, ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen – etwas ganz Neues hat begonnen“ (2. Korinther 5,17).
Unsere Vergangenheit ist vergeben. Sie ist weg. Sie ist nicht mehr die Grundlage unseres Handelns. Gott zu lieben bedeutet also nicht zwangsläufig mehr zu tun, sondern mehr von dem zu tun, was zählt. Manchmal zeigt Gott dir die Ameise und sagt: „Komm, steh auf“.
Manchmal sagt er: „Mach langsamer.“ Und manchmal sagt er: „Du rennst – aber in die falsche Richtung.“
Gott kennt dich. Er weiß, wie du tickst. Er liebt dich nicht trotz, sondern aufgrund deiner Persönlichkeit. Und er hat einen Plan, der nicht darauf abzielt, dich zu verbiegen, sondern dich zu stärken.
Gott macht dich nicht weniger wie dich. Er macht dich mehr du als je zuvor.
Und dazu gehört es, stehen zu bleiben, tief durchzuatmen und ihn zu fragen: Was ist heute dran? Wo willst du mich haben? Auch das ist Liebe.
Herausforderung für heute: Nimm dir zehn Minuten Zeit und halte Gott bewusst deine Aktivitäten hin. Was tust du für ihn? Und was tust du mit ihm? Bitte ihn, dir klar zu zeigen, welche Prioritäten wirklich seine sind.
Sei gesegnet!
„Fast alles wird wieder funktionieren, wenn du es für ein paar Minuten ausschaltest – du selbst eingeschlossen“ (Anne Lamott).


